WSSB Bahnübergänge

Rückblick


Mehr als 12 Jahre ist es her, als sich ein paar Trainzer fanden, denen die Trainz-nativen Bahnübergänge nicht genug waren. Die Idee war Bahnübergänge modular zu gestalten und nicht wie bisher als starres Objekt, welches viel zu spät schließt. Nochmal ein paar Jahre hat es dann gebraucht, bis dann aus der Idee Konkreteres wurde. Dass es damals so lange dauerte, lag nicht nur an der Motivation oder den technischen Skills der damaligen Akteure, sondern auch an dem Riss, der quer durch die deutsche Trainzgemeinschaft ging und damals Zusammenarbeiten verhinderte.

Sei's drum... xBUe sollte es heißen und das Konzept war gut:

  • BÜ sollten in Trainz genauso funktionieren, wie beim großen Vorbild
  • sie sollen modular verbaut werden können
  • die Skripte sollten offen und somit erweiterbar sein
  • jeder kann eigene Objekte mit einbinden
  • sie sollten untereinander kombinierbar sein
  • sie sollten in Fahrstraßen eingebunden werden können.

Letzter Punkt wurde leider nie umgesetzt. So ist das xBUe System zwar nur halb oder dreiviertel fertig geworden, aber modular aufgebaute Bahnübergange, die per Trigger oder Befehl auslösbar sind, entstanden zahlreich und verrichten über die Trainz Versionen bis heute in vielen Anlagen ihren Dienst.


Dank der kreativen Scriptlösungen von Ks-Vorsignal und Callasvg, war es 3D Objektbauern, wie z.B. Danielm, mick1960 und auch mir nun möglich Scenery Objekte herzustellen, die in dieses modulare System integriert werden konnten. Erstgenannter Objektbauer war da sicherlich der Fleißigste, und dank ihm bleiben bei neuzeitlichen Bahnübergängen kaum noch Wünsche übrig. Nicht ganz so fleißig war ich da, leider. Für DR Übergänge hatte ich dann nur die Andreaskreuze veröffentlicht. Andere Projekte verlagerten mein Interesse… Die DR Überwachungssignale und die HS64 Halbschranken waren zwar auch schon gebaut, aber mit deren Qualität war ich nicht zufrieden genug, um sie zu veröffentlichen. Und so blieb das dann für Jahre.


Inzwischen hatte sich im Trainz Bereich einiges getan. Trainz wurde besser und grafisch schöner. Akteure kamen und gingen wieder, oder gucken nur noch aus der Ferne zu.
So ist es aktuell weiterhin auch so, dass wir aktuell immer noch kein deutsches Signalsystem haben, welches funktioniert und in das man auch Bahnübergänge einbinden kann.



WSSB BÜ in der Realität - gestern, heute und morgen


Bis vor ein paar Jahren waren sie noch überall im gesamten DV301 Bereich (das Gebiet der Reichsbahn der DDR) anzutreffen und verrichteten an hand- und zugbedienten Bahnübergängen ihren Dienst: die Schranken der Bauart WSSB HS64 und eVS63. Im Jahr 2021 waren nur noch sehr wenige davon anzutreffen. Da, nach nun gesamtdeutscher Vorschrift, keine Warnlichter mehr an Bahnübergängen blinken dürfen, wurden binnen 10 Jahren diese Schranken (samt den zugehörigen Andreaskreuzen der Bauart HL64) fast restlos durch modernere Schranken ersetzt, die nun genau dasselbe tun, aber dabei eben nicht blinken.
Hier einmal ein interessantes Video zu diesem Thema:

External Content youtu.be
Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.



Die WSSB eVS63 und die WSSB HS64


Öfter – wenn überhaupt – hat man von der HS64, der WSSB Halbschranke 64, gehört. Weniger bekannt ist die Bezeichnung eVS63 (sie steht für elektronisch gesteuerte Vollschranke 63). Und dabei findet (oder fand) man diese im DV301 Gebiet mindestens genauso oft wie den etwas bekannteren Vertreter. Der Unterschied liegt nicht nur optisch im Detail. Die eVS63 ist eine handbediente Schrankenanlage. D.h. die Anlage wird z.B. von einem Stellwerk aus bedient. Im Gegensatz dazu ist die HS64 eine zugbediente Anlage: durch das Überfahren eines elektromagnetischen Schalters im Gleis wird der Sicherungsvorgang ausgelöst. Auch optisch gibt es viele Unterschiede. Die Antriebsgehäuse sehen sich zwar ähnlich, aber haben unterschiedliche Auswölbungen und Klappen. Auffälliger ist hier z.B. die Vertiefung im Antriebsgehäuse der eVS63 in der sich die Verankerung der Gewichtsausgleicheinrichtung befindet. Auch die Gewichtsausgleicheinrichtung selber ist ein Detail, welches bei der HS64 nicht vorhanden ist. Sie ersetzt die Gegengewichte des Schrankenbaums. Jedoch sieht man auch beim Vorbild sehr oft Schranken der Bauart 63 bei denen keine Gewichtsausgleicheinrichtung vorhanden ist und stattdessen Gegengewichte am Schrankenbaum befestigt worden. Diese Konfiguration soll beim hier beschriebenen Trainz Set vorerst nicht enthalten sein.



Halbschranke der Bauart HS64 (Blumenberg 2013)

Vollschranke der Bauart eVS63 (Quedlinburg 2015)


Ein weiterer Unterschied sind die Formen der Schrankenbäume. Bei der HS64 findet man fast ausschließlich die ovalen Halbschrankenbäume vor, wohingegen an der eVS63 in der Realität jegliche Form von Schrankenbäumen zu finden ist(war). Von den klassisch runden Baumformen, über die Kastenform in Teleskop-Bauweise, bis zu ovalen Halbschranken und auch Schrankenbäume aus neuerer Zeit wurden montiert. Und das Alles in völlig unterschiedlichen Längen.



ovale Form der Halbschranken (Dessau 2008)

Kastenform der eVS63 (Wismar 2008)

runde Form der eVS63 (Rübeland 2012)


Die unterschiedlichen Längen der Schrankenbäume in der Realität ließen sich bei meiner Recherche nicht mit den, in der Literatur vorfindbaren Listen und Standards, vereinbaren. Um einerseits Papier und Realität im Set bestmöglich wiederzugeben, und andererseits den begrenzten Platz auf der Textur optimal zu nutzen, werde ich bei den Baumlängen Kompromisse eingehen müssen.



Der Modellbau


Wenn man mit einem gefasten Quader und einem darunter stehenden stumpfen Kegel als Modell nicht zufrieden ist, dann wird der Nachbau des Antriebsgehäuses in Max eine kleine Herausforderung. Gegossene Bauteile mit ihren vielen verschiedenen Schrägen und ineinanderlaufenden Rundungen sind aufwendig zu gestalten und können schnell zu kleinen Polygräbern werden.
Mein erster Versuch mit dem Antriebsgehäuse der HS64 war 2010 noch ziemlich einfach gehalten:

Mit LOD hatte man zu jener Zeit noch nicht so viel am Hut, und deswegen muss die Form vereinfacht werden. Was an Kontur zu wenig herüberkommt, musste mit Textur kaschiert werden.


Dem Original wollte ich mit mehr Details gerecht werden und dazu mussten bessere Maße her. Da keine genaueren Skizzen verfügbar waren und es auch schwierig ist so ein Teil vor Ort mit herkömmlichen Mitteln zu messen, war ein 3D Scan das beste Mittel.

Ca 40 Fotos einmal um den Antrieb herum + ein Photogrammetrieprogramm ergibt ein ziemlich detailliertes 3D Modell, welches zur Entnahme von Maßen hervorragend geeignet ist.


Die Konturen in 3ds Max nachzubauen ist nicht so sehr das Schwierige, sondern beim Bau des Modells auch schon das UV-Mapping und das LOD mit im Auge zu behalten. Beides sollte nicht nur optimal in Hinsicht auf Performance gestaltet sein, sondern auch noch recht gut aussehen. Wer schon mal mit dem Zoom des Führerstands LOD Objekte in 300m Entfernung beobachtet hat, versteht, was ich hiermit meine. Klar war auch, dass die neuen Assets PBR Materialien bekommen.


Da xBUe wahrscheinlich nicht mehr weiterentwickelt wird, habe ich mich nach anderen Systemen umgeschaut. Mit ATLS bin ich nicht so recht warm geworden, aber TRC hatte mich ziemlich schnell überzeugt. Das beutete also die einzelnen Komponenten so zu bauen, dass sie für xBUe und TRC verwendbar sind. Dank der Hilfe von Mika bei den Scripts konnten die Meshes, die eigentlich für xBUe gebaut wurden, nun auch mit dem TRC System betrieben werden. Dafür zu sorgen, dass die nun entstandene Vielzahl von Andreaskreuz- und Schrankenobjekten mit ihren verschiedenen Funktionen untereinander richtig laufen, kostete ihn sicher einiges an Nerven. So sorgte er dafür, dass z.B.:

  • Andreaskreuze mit und ohne Schranken laufen (ja, das ist bei TRC nicht so einfach)
  • die Blinklichter der Schranken und Kreuze nicht alle synchron laufen
  • auch die Schrankenbäume asynchron öffnen und schließen
  • und die Scripts in Gänze nicht zu sehr auf die Performance drücken

Entstanden sind nun vier Mesh Librarys, auf die nun insgesamt 50 Assets für Schranken, Überwachungssignale und Andreaskreuze zugreifen. Allen Assets ist das Kürzel des Systems, mit dem sie funktionieren, vorangestellt. D.h. eine Schranke, die unter TRC funktioniert heisst z.B. TRC DE Schranke 300 R WSSB oder ein Andreaskreuz, welches mit xBUe betrieben wird, heisst z.B. xBUe AK WSSB el HR.



Eine Anleitung zum TRC System findet man hier: TRC V3 english und eine Anleitung zu xBUe gibt es hier auf Trainz.de .


Zu erwähnen wären da noch die Sound Assets: für jedes, der beiden Systeme, habe ich zwei Sound Assets (Klingel oder Gong) dem jeweiligen Set mit hinzugefügt. Bei der Entwicklung der Sets stellte sich heraus, die Sounds besser als eigene Objekte zu halten, als sie mit in die Schranken oder Andreaskreuze zu integrieren. Würde man einen Bahnübergang mit z.B. acht Schranken mit integriertem Bimmel Sound verbauen, gäbe es ein akustisches Durcheinander, welches dem Original, bei dem meist auch nur eine Klingel pro Straßenseite vorhanden ist, nicht entsprechen würde. Außerdem kann man nun besser auswählen, ob es nun klingeln oder 'gongen' soll (ja, beides gab es so bei WSSB und sogar auch gemischt). Die Sound Assets werden beim Verbau in Trainz genauso konfiguriert, wie die Schranken und Andreaskreuze des jeweiligen Systems. Sie sind durch Dummy Meshes im Trainz Editor sichtbar - im Fahrmodus sieht man sie nicht.


Falls ihr mit den TRC Assets einen unbeschrankten Bahnübergang bauen möchtet, der nur durch Andreaskreuze gesichert ist, ist es erforderlich die, im Set enthaltene, unsichtbare Schranke aufzustellen. Fehlte diese, bleibt der Bahnübergang nach passieren des Zuges blockiert.


Zum Schluss noch eine Empfehlung für Streckenbauer: das xBUe System war zu seiner Zeit gut. Leider wird es nicht mehr weiterentwickelt und Trainz verändert sich mit jeder neuen Version. So zeigte sich schon, dass das System in der aktuellen Trainz Version nicht mehr vollumfänglich läuft (die xBUe Rule funktioniert nicht mehr) und auch bei meinen Tests stellte sich heraus, dass die xBUe Steuereinheit und die Auslöser nicht immer zuverlässig funktionieren. Vincentrh hat mit TRC ein einfacheres, performanteres und zuverlässigeres System erstellt, welches auch noch gepflegt wird. Somit empfehle ich Streckenbauern die Verwendung von TRC und Objektbauern, die künftig BÜ Objekte erstellen wollen, die Integration in dieses System.


cheers

Christian

Comments 2

  • Guten Abend und vielen Dank für diesen tollen und informativen Artikel zu deinem neuen Schrankensystem, Christian. Ich vermag nicht zu erahnen, wie viel Zeit in diesem System steckt. Auch danke ich dir, Mika, für die Unterstützung bei der Realisierung dieses Sets.

    Eine kleine quasi off-topic Frage hätte ich jedoch: Da ich selbst bisher keine Strecke im Gebiet der DV301 gebaut habe und mich eher im Bereich der DS301 aufhalte, stellt sich mir die Frage, ob die xBue Objekte von Daniel, ebenfalls mit TRC verwenden werden könne? Gibt es da Erfahrungswerte?


    Grüße
    Marcel

    Like 1
    • Schön, dass du es ansprichst! Ich wollte ihn auch schon dazu ermuntern. Ich denke es sollte möglich sein.


      cheers

      Christian

      Like 1